Druckfrisch: Interne Revision
Jörg Berwanger | 10. Dezember 2007
Die Interne Revision in deutschen Wirtschaftsunternehmen ist ein wichtiger, man darf sogar sagen regelmäßig unverzichtbarer Bestandteil eines effizienten unternehmensinternen Überwachungssystems. Die Richtigkeit dieser Aussage ergibt sich trotz wenig ergiebiger rechtlicher Grundlagen. Sie wird mindestens getragen von Best Practice Überlegungen zu moderner Unternehmensführung.
Die Interne Revision erbringt im Auftrag der Unternehmensleitung unabhängige und objektive Prüfungs- und Beratungsdienstleistungen, was sie von anderen unternehmensinternen Kontrollstellen, etwa dem Controlling, unterscheidet. Ihre Tätigkeit ist darauf ausgerichtet, Mehrwerte zu schaffen und Geschäftsprozesse zu verbessern. Sie unterstützt die Organisation bei der Erreichung ihrer Ziele, indem sie systematisch und zielgerichtet die Effektivität des Risikomanagements, der Kontrollen in einem Unternehmen und die Führungs- und Überwachungsprozesse bewertet und verbessern hilft.
Ihre Prüfungsfelder erfassen alle Bereiche des Unternehmens und beziehen sich auf kaufmännische, technische und juristische Aufgaben und betreffen auch Organisationsthemen. Sie kommt bei ihrer Arbeit in Berührung mit im öffentlichen Diskurs erörterten Problemen, etwa zu sozialen Werten und Maßstäben in der Wirtschaftswelt, und gestaltet hier die Meinungsbildungsprozesse mit. Wegen der stetigen Veränderungen, denen sich die Wirtschaft ausgesetzt sieht, beispielsweise aufgrund der zunehmenden internationalen Verflechtung, ist auch die Interne Revision einem permanenten Wandel unterworfen. Ihre Veränderungsbereitschaft betrifft ein Lernen und Sich-Einarbeiten in neue Aufgaben und Probleme ihrer Prüfobjekte ebenso, wie die damit in Wechselwirkung stehenden Anpassungsbedürfnisse bei ihren internen Grundsätzen, etwa denen zur Berufsethik.
Die Verfasser wollen mit dem vorliegenden Werk ein Grundkompendium zur Revision bieten. Sie verfolgen den Anspruch, in erster Linie Angehörige der Internen Revision relativ kompakt für vorstehend erläuterte Thematiken zu sensibilisieren. Von dem Buch profitieren sollen auch Angehörige der sog. Externen Revision, also z.B. Mitarbeiter von Wirtschaftsprüfungsgesellschaften. Es soll ein Leitfaden rund um alle Kernfragen zur Internen Revision gegeben werden. Zudem wird ab und an ein Blick über den revisorischen Tellerrand hinaus gewagt. Dem Anliegen der schnellen Versorgung mit Fakten folgt die Idee, im Werk ein gut sortiertes Glossar mit Definitionen, Fachbegriffen, Eigennamen und gängigen Abkürzungen zur Internen Revision zu bieten. Schließlich wendet sich das Buch auch an die Revisionskundschaft, also an die Leitung und letztlich an alle anderen Mitarbeiter des Unternehmens. Sie sollen ihre Interne Revision und ihren Wert fürs Unternehmen richtig einordnen und (ein-) schätzen können. Diesem Aspekt fühlt sich das Buch besonders verpflichtet, denn die Interne Revision hat gar nicht so selten mit Akzeptanzproblemen zu kämpfen. Diese sind psychologisch leicht zu erklären, denn Fremdbeobachtung wirkt störend. Jeder, dem ein anderer beim Schreiben über die Schulter geschaut hat, weiß das. Das aber ist der Job der Internen Revision.
Bei der Konzeption des Werks und der Themenauswahl musste aus Kapazitätsgründen Mut zur Lücke aufgebracht werden. Zuweilen werden aber auch Themen bewusst breiter aufbereitet. Das gilt neben „soziologischen Ausflügen“ vor allem für die rechtlichen Ausführungen, die sich dadurch stellenweise einem Lehrbuch oder einem Rechtskommentar annähern. So soll Mitarbeitern der Internen Revision, die regelmäßig keine juristische Ausbildung aufweisen, eine Vermittlung einschlägiger rechtlicher Grundkenntnisse geboten werden. Außerdem stellen die Verfasser die Forderung auf, dass sich Revisionsabteilungen, weitgehend „juristische Diaspora“, tunlichst mit juristischem Personal verstärken sollten, um den auf diesem Feld bestehenden blinden Fleck zu beseitigen.
Im Übrigen werden zu einzelnen Fragen differenzierte Standpunkte und provokante Antworten geboten, die vom Mainstream anderer Beschreibungen über die Interne Revision abweichen. Wegen ihrer Bedeutung für die Interne Revision und für ihre Arbeit wird relativ ausgedehnt auf Merkwürdigkeiten und Verwerfungen in Unternehmen eingegangen – sehr oft ein schwieriges Terrain, auf dem sich die Interne Revision da bewegt. Auch scheinbar klare Positionen zur Internen Revision selbst werden kritisch hinterfragt. Vorstehende Themen werden mittels einer zuweilen recht pointierten und zugespitzten Darstellungsweise erörtert. Und auch wenn, wie früher in der Revisionsliteratur festgestellt wurde, die Suche nach heiteren Aspekten der Internen Revision schnell an natürliche Grenzen stößt und angeblich nur Unbetroffene ungestraft Witze über die Interne Revision machen dürfen – die Verfasser nehmen diese Herausforderungen an. Daher möchten auch mal Schilderungen von Anekdoten und Schnurren aus der Wirklichkeit und ein bewusst gewählter locker-lässiger Schreibstil zum Schmunzeln einladen. Das soll dazu dienen, die schwierigen Sachthemen und die zuweilen bestehenden Probleme möglichst leicht bekömmlich zu servieren um so ihre gedankliche Aufnahme und Verarbeitung zu erleichtern. Der Humorfaktor soll auch durch Eigenironie bedient werden. Sich selbst mal auf die Schippe nehmen, sich den Spiegel vorhalten und
sich und seinen Berufsstand nicht zu wichtig zu nehmen, kann vieles leichter machen. Dieser Appell mag so manchen Kollegen ansprechen, der bei seinen „field activities“ bei der geprüften Stelle mit entsprechender Attitüde und einem Blick wie dem von Dschingis-Khan unterwegs ist. Das hilft niemanden – am wenigsten dem Ansehen der Internen Revision im Unternehmen.